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| Der Dom
als Lazarett Am 2. Mai 1813 schlug Napoleon die ver- bündeten Preußen und Russen bei Groß- görschen oder Lützen, und als drei Wochen später der Stadtpfarrer Mähler in der Kloster- kirche St. Magdalena ein bischöfliches Hirten- schreiben wegen dieses Sieges verlas und auch einen Dankgesang anstimmte, erregten sich mehrere Zuhörer auf der Emporbühne und äußerten: "Der Bischof täte besser, dass er anstatt des Te Deum das Miserere verfüg- te". Diese Episode zeigt deutlich die Stimm- ung jener Tage. Zudem wurden damals 4000 "verwundete, verstümmelte und übel zuge- richtete Soldaten" durch die Stadt trans- portiert. Nach der Schlacht bei Leipzig trafen wieder Tausende verwundeter Soldaten in Speyer ein. Sie wurden im Dom untergebracht. "In den Chören, dem Langhaus, den Seiten- hallen, dem Kreuzgang, ja selbst bis zum Domkeller (Krypta) hinab. Der nun verewigte wackre und verdienstvolle Medizinalrath Ehrmann (der "unchristliche Christian", Goethes Studienfreund aus der Straßburger Zeit), besuchte die Kranken im ganzen Dome jeden Tag, und aus seinem Munde habe ich (der Berichterstatter ist Johannes Geissel, der spätere Kardinal) oft die wirklich schau- derhafte Geschichte des Elends jener Tage gehört. Die Menschenfreundlichkeit, womit die Speyerer Männer, Frauen, Greise, sogar Kinder, trotz der offenen Gefahr der An- steckung, den kranken Kriegern mit allem beisprangen, verdient der Nachwelt über- liefert zu werden". Text: Speyer-Kleine Stadtgeschichte, Fritz Klotz
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Bernhard
von Clairvaux predigt im Dom, Dezember 1146 An Weihnachten 1144 eroberten die Seldschuken die Hauptstadt Edessa des gleichnamigen Fürstentums im nordwestlichen Mesopotamien. (...) Ein Aufstand der christlichen Einwohner 1146, wurde blutig niederge- schlagen, die Stadt zerstört und die Überlebenden in die Sklaverei geführt. Dieses Ereignis erregte das Mitgefühl des christlichen Abendlandes. Der Papst rief zum Kreuz- zug gegen den Islam auf. In Frankreich fand der Ruf das Heilige Land zu befreien großen Widerhall. (...) Bernhard von Clairvaux, der "ungekrönte Herrscher Europas" warb in Deutschland für den Kreuzzuggedanken. Sein Ruf "Gott will es" fand aber bei Kaiser Konrad III. wenig Anklang. Im Dezember 1146 begab sich der Kaiser mit den Großen des Reiches von Frankfurt nach Speyer, um hier das Weihnachtsfest zu feiern. Bernhard zog ihm entgegen. In der alten Kaiserstadt sollte die Entscheidung fallen. Bei seinem Einzug in den Dom stimmte das Volk das "Salve Regina" an. Bernhard soll nun in seiner glühenden Marienliebe die Worte hinzugefügt haben: "O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria" (O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria). Bernhards Predigten an den Weihnachtsfeiertagen ver- mochten nicht, den Widerstand des Kaisers zu brechen. Am 27. Dezember erinnerte Bernhard den Kaiser beim Gottesdienst mit eindringlichen Worten an seine Pflicht. Da nahm Konrad den Ruf "Gott will es" auf und mit ihm die Großen des Reiches. Wie ein Zeitgenosse berichtet, trug Bernhard "das Banner vom Altare weg und gab es dem Kaiser in die Hand, damit er es im Heere des Herrn per- sönlich trage". Der Kreuzzug brachte nicht den erwarteten Erfolg. (...) Ein Kranz von Legenden windet sich um Bernhards Aufent- halt in Speyer. So soll er, als er die Worte: "O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria" sprach, einen gewaltigen Sprung bei jeder Ausrufung dem Altare zu gemacht haben. Zur Er- innerung daran seien in den Boden des Mittelschiffes drei große steinerne Rosen eingelassen worden. Auch Kranken- heilungen sind von ihm überliefert. Eine andere Legende erzählt, daß das wundertätige Mutter- gottesbild im Dom den Gruß des Heiligen jedesmal mit "Salve Bernharde" erwidert habe. Einmal habe er sich, ganz gegen seine Gewohnheit, verspätet. Marias ernste Frage: "Sancte Bernharde, unde tam tarde?" (Aber St. Bernhard, warum läßt du so lange auf dich warten?) habe ihn aber so verwirrt, daß er "gar übel das paulinische Wort zitierte: "Mulier taceat in ecclesia!" (Das Weib hat in der Kirche zu schweigen). Von da an habe das Madonnen- bild für immer geschwiegen. Nach seiner Heiligsprechung wurde St. Bernhard dritter Patron des Domes. In den Jahren 1953/54 erbaute man auf dem Alten Friedhof zum Zeichen der Aussöhnung zwischen den beiden Nachbarvölkern Frankreich und Deutschland die >> Friedenskirche St. Bernhard. Text: Speyer-Kleine Stadtgeschichte, Fritz Klotz |
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