Die
Ausmalung des Domes
Am frühen Morgen des 13. Juni 1843 besuchte König Ludwig
I. mit den
Malern Heinrich von Heß und dessen Schüler Johannes Schraudolph
den Dom, in den sonst niemand eintreten durfte. Draußen in der Vorhalle
des Domes warteten der Bischof und das Domkapitel, der Regierungs-
präsident mit seinen Beamten und viele Speyerer. "Endlich
öffnete sich
das innere Haupttor. Der erhabene Beschützer der Künste trat rasch
und freundlich heraus und sprach zum Bischof gewendet: lch habe mich
entschlossen, den Dom malen zu lassen. Im Jahr 1845 wird angefangen."
Ein Jahr später wurde im Auftrag
des Königs mit Schraudolph ein Vertrag
geschlossen, in dem u. a. bestimmt wurde, daß die Entwürfe zu
den
einzelnen Bildern dem König zur Genehmigung vorgelegt werden mußten.
Zehn Jahre wurden für die Ausführung der Malerei vorgesehen.
Am 8. Januar 1846 begann nach einem Gottesdienst Schraudolph, unter-
stützt von seinem Bruder Claudius und seinem Gehilfen Joseph Mösl,
mit der Arbeit. In diesem Jahr geschah es auch, daß Schraudolph, als
er
sich "oben auf dem Gerüste
zur Arbeit anschickte, auf eine Diele trat, welche
der gehörigen Unterlage entbehrte. Dieselbe wich, Schraudolph wankte
und
stürzte und wäre - eine sichere Beute des Todes - von schwindelnder
Höhe
durch die Balken des Gerüsts gefallen, hätte nicht sein Schutzgeist
gewacht
und der Fallende sich selbst mit starkem Arme sogleich an einem Balken
aufgefangen und emporgearbeitet".
Während der Wintermonate wurden, auch in den folgenden Jahren, die
Arbeiten im Dominneren eingestellt, die Entwürfe für die folgenden
Fres-
ken entworfen, dem König zur Genehmigung vorgelegt und dann in Öl
skizziert. So ging es Jahre hindurch, selbst während der Revolutionstage
von 1848/49. Als Ludwig I. 1848 abdanken mußte, teilte er Bischof
Nikolaus
von Weis mit: "Zur Beruhigung
rücksichtlich des Domes sage ich Ihnen, daß
mein Sohn, König Maximilian II., die Malerei des Domes vollenden lassen
wird."
Während die Regierung hinter die Festungsmauern nach Germersheim floh,
Barrikaden errichtet wurden, "gegen
Ludwigshafen die Brandkugeln flogen
und bei Waghäusel und Wiesenthal Kanonendonner und Schlachtruf ertönte,
wurden die großen Geschichtsbilder des heiligen Bernhard und des Erzmärtyr-
ers Stephanus und des hl. Papstes gleichen Namens in den beiden Seiten-
choren glücklich hergestellt".
Am 10. September 1853 führte
Schraudolph, "den letzten
Pinselstrich an
dem großen, frei übernommenen Votivbilde in der Vorhalle, und
damit war in
würdiger Weise das ganze Werk abgeschlossen".
Eine Woche später erhielten Schraudolph und der Dekorationsmaler Joseph
Schwarzmann, ebenfalls aus München, "von
den Stadtvorständen das Diplom
des Ehrenbürgerrechtes von Speyer überreicht, und am Abend wurde
ihnen zu
Ehren ein feierliches Mahl im Wittelsbacher Hof veranstaltet".
Die Kosten zur Ausmalung des Doms beliefen sich auf über 101.000 Gulden.
Obwohl man damals voll des Lobes über die Ausmalung war, gab es auch
kritische Stimmen. Vor allem machte man den Vorwurf, die Überfülle
der
Malereien beeinträchtigten "den
monumentalen Eindruck des Baues".
Der
Dom sei nun "eine großartige
akademische Bildergalerie". Während
der Dom-
restaurierung in den Jahren 1957-61 wurden nur die Fresken des Lang-
hauses belassen, alle anderen wurden abgenommen und ein Teil, beson-
ders die "Historienbilder",
aufbewahrt.
Text: Speyer - Kleine Stadtgeschichte, Fritz Klotz
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